Purpose – Unsinn mit Sinn

Seit ein paar Jahren kommt keine Diskussion zu Führung oder Organisationsentwicklung in den einschlägigen Medien ohne des Beraters neue Kleider aus: Purpose.  Es ist das Banner unter dem alle New-Work-Evangelisten, agile Adepten und Firmendemokratisierer die Arbeitswelt wirklich wirklich menschlicher machen werden.
Leider trivialisiert der Purpose-Hype einen prinzipiell hilfreichen Wertehorizont der Organisationsentwicklung, weil es in sehr vielen Diskussion an drei Dingen fehlt: Ziel, Klarheit und Evidenz. Die Diskussion ist sehr oft desorientiert, weil mit kaum belastbaren Definitionen an bestenfalls nebligen Aspekten der Organisation “argumentiert” wird. Was ist mit Purpose genau gemeint? Ein Hinweis auf Viktor Frankls Sinn des Lebens reicht und los geht’s? Die Diskussion ist verwirrt und verwirrend, weil die beschreibende und funktionale Einbettung von Purpose unklar bleibt. Wie soll man Purpose tatsächlich entwickeln? Wieviel davon ist schon da in Teams, Abteilungen oder der ganzen Firma und was fehlt eigentlich? Was sollte warum realisiert werden? Die meisten Diskussionen und Beiträge zum Thema sind mindestens spekulativ, weil sich behauptete Vorbedingungen und Effekte von Purpose in der wissenschaftlichen Literatur nicht nachweisen lassen oder aber beforschte Effekte und ihre Ergebnisse nicht eingeordnet werden. Schauen wir in die sehr kurze historische Entwicklung des Begriffs und seine jüngsten Ausformungen…

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Nomologisches Netzwerk: Was ist New Work?

Nomologisches Netzwerk zu New Work
Nomologisches Netzwerk New Work (Jörg Wittkewitz)

“Frithjof Harold Bergmann war ein österreichisch-US-amerikanischer Sozialphilosoph und Anthropologe sowie Begründer der „New-Work“-Bewegung.” So steht es im gleichnamigen Eintrag bei der englischen Wikipedia. Seit wenigen Jahren ziehen Berater und Consultingfirmen durchs Land, die sich mit diesem Etikett “adeln” wollen. Sie verkaufen Manntage für Consulting, Trainings, Workshops und Konzepte in OE/PE, die gern auch zusammen mit Agilität oder VUCA trendy erscheinen.  Nicht wenige der Inhalte gibt es seit 30 Jahren in der Personal- oder Organisationspsychologie und sind dort mehr oder weniger gut repliziert, also mäßig bis gar nicht erprobt oder kaum auf verschiedene Aufgaben und Kontexte übertragbar. Die theoretische Basis wird nicht valider, wenn Pädagogen, ehemalige Lehrer oder Soziologen mit psychologischen Interventionen direkt am Mitarbeitenden oder dem Team ansetzen. Aber das Thema geht eigentlich deutlich tiefer als bekannte Buzzwords…

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