Marshmallow-Test: Warum einige psychologische Erkenntnisse aus Lehrbüchern und Medien verschwinden (oder umgeschrieben werden) sollten…

Marshmallows als Objekt der Begierde. (Quelle: Jennifer Smith)

Fast jeder kennt die Untersuchungen aus der Vorschule des Stanford Campus von Walter Mischel und Kollegen: In der Urform erklärten die Versuchsleiter den Kindern, dass man für einige Zeit den Raum verlassen würde. Durch Klingeln mit einer Glocke könnten sie die Versuchsleitenden sofort zurückrufen und würden dann einen Marshmallow erhalten. Würden die Kinder aber warten bis die Person von selbst zurückkam, dann bekämen sie zwei Marshmallows. Wenn die Kinder nicht klingelten, kehrten die Wissenschaftler nach 15 Minuten zurück. Die meisten Kinder konnten zwischen 6 und 10 Minuten warten. Auf Basis dieser Forschung wurden in Längsschnittstudien Jahre später mit denselben Probandinnen und Probanden viele Erfolgskriterien geprüft. Denn man glaubte, mit dem Belohnungsaufschub einem Indikator für das psychologische Konstrukt Selbstkontrolle auf der Spur zu sein, das sogar persönlichen und beruflichen Erfolg vorhersagen können sollte. Das Experiment wurde vielfach wiederholt und die Ergebnisse bestätigt. An sich ist das toll, denn viele Studienergebnisse überleben das Wiederholen derselben Forschungsaufgabe (Replikation) nicht. Die Längsschnittstudien mit Marshmallows schienen den starken Einfluss von Selbstkontrolle auf Erfolg sogar kausal zu belegen.  Zwei Drittel des Effekts liegt jedoch nicht in der Selbstkontrolle begründet sondern ganz woanders… im Elternhaus.

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Sportsgeist: Can we have two golds?

Die beiden Hochspringer Mutaz Barshim und Marco Tamberi erreichten beide problemlos eine Höhe von 2,37m ohne Fehlversuche, bis sie beide 2,39m überspringen mussten. Nach drei Fehlversuchen trat ein Offiizieller an sie heran und erklärte, sie könnten es nun in einem Jump-Off unter sich ausmachen. „Ich sah ihn an, und er mich, und wir wussten es. … Weiterlesen

Führung: Angst vor Gefühlen?

Wenig Themen werden so kontrovers diskutiert wie Gefühle. Das ist in der Arbeitswelt nicht anders als zuhause am Esstisch oder im Schlafzimmer. Stammtischparolen wie mangelnde Kontrolle bei Anwesenheit von Gefühlen sind bis in die Forschung vorgedrungen. Anders als viele glauben, sind Gefühle keine Stolpersteine auf dem Weg zu wirtschaftlichem und persönlichem Erfolg. Denn das Wahrnehmen und Erkennen (Kognition) ist selten trennbar von Gefühlen und noch seltener ist diese Trennung sinnvoll.

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Wie Journalisten Eltern beschimpfen: Ihr macht aus Kindern Tyrannen

„Es gibt Probleme – auch in Familien“. Das ist kein Inhalt, der zu hohen Klickraten auf einer Website führen würde. Auch ein Buch mit diesem Titel ließe sich nicht verkaufen. Um solche Ziele zu realisieren, neigen einige Zeitgenossen zur Skandalisierung. Soweit so schade. Denn das Thema Elternschaft ist zentral. Es zeigt auch, wie wichtig es ist, Aussagen mit Evidenz belegen zu können. Und zwar nicht mit einer kurzen Befragung sondern mit vielen validen Studien – am besten im Längsschnitt, also über Jahre.

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